Interne und externe Vernetzung im Kinderschutz
Volkshilfe Steiermark
Ziel der Tagung: den Boden schaffen für Vernetzung in herausfordernden Zeiten
Moderation: Barbara Porotschnig, Leiterin Fachbereich Kinderbildung und -betreuung
Organisation: Volkshilfe
Zum Blog-Beitrag: https://stmk.volkshilfe.at
Aus Tagungszeitung von Barbara Porotschnig: "Schon der Meeresforscher Jacques-Yves Cousteau wusste: „Das Meer fasziniert, weil es uns zwingt, gemeinsam zu handeln.“ Besonders auf stürmischer See möchte niemand im Ein- Personen-Schlauchboot sitzen. Was es braucht, ist eine Crew, die weiß, was sie tut und auf die Verlass ist – getragen von einem stabilen Sicherheitsnetz. Es braucht also Teamwork, um ein Schiff zu steuern. Auch im Kinderschutz gilt dieses Prinzip: Starke Netze sorgen für starke Kinder und handlungsfähige Fachkräfte. Gerade in herausfordernden Situationen sichern uns eine klare Sicht, engmaschige Strukturen und eine gelebte Vernetzung als Qualitätsmerkmal ab. Halten die Knoten, entsteht ein verlässlicher Schutzschirm. Ob auf rauer See oder bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung – sicheres Handeln erfordert Übung. Am besten gelingt dies abseits eines akuten Ernstfalls in einem geschützten Raum. Mit der heutigen Tagung und dem dafür entwickelten Planspiel wollten wir genau diesen Rahmen bieten. Unser Ziel war es, einen Lernraum zu schaffen, von denen Fachkräfte und Kinder gleichermaßen profitieren. Denn: Wir sind die Profis, auf uns ist Verlass - auch in stürmischen Zeiten!"
Zum Graphic Recording: "Ein sicherer Hafen braucht starke Netze"
Ausgangsbild ist der sichere Hafen, den die Elementarpädagog:innen Kindern bieten. Draußen am offenen Meer kann es stürmisch zugehen. Um Kindern einen sicheren Hafen bieten zu können, braucht es viele Akteure. Sollte es im engsten Kreis der Familie einmal stürmisch zugehen, müssen andere einspringen. Frei nach dem Sinnspruch: "Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf." Dafür braucht es v.a. die entsprechende Haltung, das Wissen und daraus abgeleitetes Können um ins Tun zu gelangen.
Der Fokus liegt diesbezüglich auf drei Ebenen:
1. Das Selbst: wie kann ich mich schnell regulieren? Wie bereite ich mich selbst, mein Nervensystem, auf meine Rolle oder eine Situation vor? Kenne ich meine Trigger?
2. Das Team: wie kann ich meine Kolleg:innen unterstützen? Wie können wir uns im Team auf Situationen bestmöglich vorbereiten?
3. Das externe Netzwerk: kenne ich die Akteur:innen persönlich? Habe ich einen kurzen Draht zu ihnen? Weiß ich, wen ich in welcher Situation am besten zu Hilfe hole? Kann ich schnell reagieren, ohne befürchten zu müssen, zu früh zu agieren?
Eingebettet sind diese Ebenen im wünschenswerten Fall in gut durchdachte, transparente Strukturen. Klare Schnittstellen und Ablaufpläne verbessern den Informationsfluss in alle Richtungen. Qualitativ hochwertige Dokumentation spielt hier eine wichtige Rolle. Gemeinsame Ausbildungen, Supervisionen und Übung sind essenziell für ein Gelingen im Ernstfall.
Ausschnitte aus dem Graphic Recording, © mnutzDesign
Resumee: Vernetzung braucht Pflege
Vernetzung mit Partner-Organisationen muss geübt und gepflegt werden, um im Ernstfall miteinander so schnell, reibungslos und qualitativ hochwertig wie möglich funktionieren zu können. Das Zitat: "In der Krise die Köpfe kennen" stammt aus der Krisenintervention und trifft auf alle Bereiche des Lebens zu. An wende ich mich im Notfall? Wer sind meine Bezugspersonen? Je besser ich mich im Vorfeld vorbereite, umso besser gelingt die Notfall-Situation. Allein die Tatsache zu wissen, dass niemand alles alleine schultern muss, wirkt schon deeskalierend in angespannten Situationen.
