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Im Auge des Pelikans

Interview geführt von Christoph Schomberg

Im Auge des Pelikans

Interview mit Michaela Nutz, Illustratorin und pinu Mitbegründerin

Geführt von Christoph Schomberg

 

Deine Arbeit ist vielfältig und scheint trotzdem einen klaren Schwerpunkt zu haben. Mir sind die Eisvögel aufgefallen und viele andere Motive aus der Natur. Wie hat sich dieser Focus in Deiner zeichnerischen Arbeit entwickelt?

Das ist eigentlich schon immer so. Von Kind an waren Themen wie Natur, Tiere aber auch Menschen in dynamischen Bewegungen meine Lieblingsmotive. Durch mein Studium hat das noch eine andere Tiefe bekommen. Menschen in Naturbeziehungen, Nachhaltigkeit aber auch Umweltbewusstsein haben mich dann auch zeichnerisch immer mehr beschäftigt. Und dann sitzt auf einmal ein Eisvogel auf einem Ast an der Mur. 

 

Dann sind da noch die Pelikane …

Solche Inspirationen kommen oft aus persönlichen Erfahrungen. Mit den Pelikanen war es so:  Ich war auf Segeltour und wir haben in einer Bucht vor Anker gelegen, um zu baden. Da rastete auch ein Trupp Pelikane. Die sitzen wie Eisvögel auf so Ästen, die aus dem Wasser ragen. Wenn man dann ins Wasser taucht, kommen sie neugierig näher und tauchen einfach mit. Beim Auftauchen hat mir einer direkt in die Augen geschaut. Ein wirklich bewegendes Erlebnis. In so einem Moment fühle ich mich zugehörig.

 

Wie hast Du mit dem Zeichnen begonnen und vor allem: warum?

Zeichnen hat mir den Raum gegeben, einfach für mich zu sein. Das wird mir ja auch bis heute angekreidet, dass ich beim Zeichnen nichts mehr um mich herum mitbekomme. Ich versinke dann vollständig in dieser Welt. Es entspannt mich einfach.

 

Hat sich Deine Herangehensweise im Laufe der Zeit gewandelt?

Ganz am Anfang habe ich aus emotionaler Dringlichkeit gezeichnet. Wenn es mir mal nicht so gut ging, als Kompensation. Das hat sich insofern gewandelt, als professionelle Arbeit ein Höchstmaß an Konzentration erfordert. Da geht es dann auch darum, solche Leistungen abrufen zu können und nach bestimmten Vorgaben zu gestalten. So seltsam das klingt: Zeichnen können, auch wenn es einem gut geht. Da reicht reine Emotion nicht mehr aus, weil oftmals man sehr tief in einzelne Themen einsteigen muss, um den richtigen zeichnerischen Zugang zu finden. Insbesondere wenn es Kundenthemen sind.

 

Wie hast Du Dein Talent entdeckt? Hattest Du Einflüsse?

Das hat viel mit Motorik zu tun: Welche Bewegungsabläufe fallen einem leicht? Wie im Sport eigentlich, der in meinem Leben ebenfalls einen großen Raum einnimmt. Mein erster Einfluss war mein Vater. Der hat zwar eher technische Sachen gezeichnet, aber er war auch der erste, der mein Talent erkannt und gefördert hat. Und mich gelobt hat. Das ist essenziell. Auch meine Mutter hat ein sehr einfühlsames, ästhetisches Umfeld gestaltet, das war auch wichtig dafür, wie ich jetzt mit Farbe und Form umgehe.

 

Wie ist Dein individueller Stil entstanden? 

Stil ist schwierig. Das ist ein langer Prozess, herauszufinden, was einem liegt und zu erkennen, was die eigene Arbeit von anderen Zeichnerinnen unterscheidet, zumal als professionelle Illustratorin. Am ehesten würde ich sagen: Zeichne, was natürlich entsteht, was aus einer gewissen Selbstverständlichkeit heraus passiert. Sicher muss man auch Kompromisse machen und sich in unterschiedlichen Stilrichtungen auskennen, um professionelle Arbeiten akkurat umzusetzen. Das gehört dazu. Insgesamt würde ich sagen: Wer verbissen einen eigenen Stil sucht, wird eher im Epigonalen enden und nurmehr andere Vorbilder kopieren.

 

Trotzdem die Frage: Hattest Du Vorbilder, zum Beispiel bestimmte Comics?

Als allererstes Asterix! Mich hat hier immer der dynamische, offene Strich fasziniert. Das findet bis heute immer wieder Einfluss in meine heutige Arbeit als Illustratorin. Ja und natürlich Zeichentrickfilme wie Heidi, Wickie oder Nils Holgerson und später dann Animationsfilme wie Ice Age.

 

Spielt klassische Malerei auch eine Rolle?

Für meine tägliche Arbeit nicht so sehr. Als Einfluss dagegen schon. Begonnen habe ich da mit den Impressionisten, dann wurde es eher expressionistisch. Einzelne Künstler mag ich: Paul Klee, Oskar Kokoschka und natürlich van Gogh. Mich interessiert natürlich das zeichnerische Werk oder weniger bekannte Aquarelle. Daran sieht man wirklich, was die können.

 

Was schätzt Du in der Arbeit mit Kunden? Wie kommst Du zu Ideen für ein Projekt?

Das ist mich ein sehr beglückender, spannender Prozess. Die Vorgespräche mit Kunden sind mir wichtig und vor allem auch sehr inspirierend: Sich in die Welt der Kunden einfühlen, deren Sichtweisen verstehen. Diese Kommunikation ist essenzieller Bestandteil der Arbeit als Illustratorin. Viele Ideen kommen dann nicht am Zeichentisch im Büro, sondern gern auch mal bei Laufen in der Natur oder mit dem Skizzenbuch am Mur-Ufer – wo sich ja hin und wieder auch der Eisvogel sehen lässt.

 

Seit neuestem sehen wir allerdings auch das Projekt pinu, das Du mitbegründet hast: Eine Plattform für Illustrator:innen, wie es sie in Österreich in der Form noch nicht gegeben hat. Was ist die Idee, oder besser die Motivation dahinter?

Genau was Du sagst: Wir haben irgendwann festgestellt, dass es so etwas hier noch nicht gibt, sehr wohl aber unheimlich viele großartige Illustratorinnen, die als Einzelkämpferinnen mit ihren Homepages und in sozialen Medien vertreten waren. Es geht uns um zweierlei: Zunächst eine große Bandbreite an Stilen und Sichtweisen zu zeigen, eine Seite zu kreieren, auf der es Spaß macht, auf Entdeckungsreise zu gehen. Andererseits auch gedacht als Service für Unternehmen. 

 

Inwiefern?

Wir wissen aus unserer Arbeit in Kundenprojekten, dass viele der Auftraggeber lange nach Illustratorinnen und dem passenden Stil gesucht haben, sich diese Suche im Netz oft aber als zäh erwiesen hat und nach dem Zufallsprinzip abgelaufen ist. pinu vereinfacht diese Suche für Unternehmen oder auch Projekte und ist als Inspiration und Orientierung für professionelle Illustrationen gedacht. Das Spektrum ist gewaltig: es reicht von Kinderbuchillustration, Infografiken über Markendesign bis zu werblichen Illustrationen und Textilmustern.


Gibt es über die professionelle Illustratorinnen-Arbeit hinaus verbindende Werte?

Definitiv und das ist uns auch wichtig. pinu steht für Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein und für Fairness. Das verbindet unsere Community und schlägt sich nicht nur in den Illustrationen nieder. 

 

Was ist Euer Ziel?

Es soll durch pinu leichter werden, das genau Richtige zu finden. Oder sich darüber klar werden, dass man vielleicht etwas ganz anderes gesucht hat, als man dachte. Für mich selbst ist pinu Experiment und Herzensangelegenheit zugleich. Wir wollen lebendiges Netzwerk und ein Raum für den künstlerischen Austausch aufzubauen. Einer, in dem ich wieder versinken kann.

 

Michaela, danke für das Gespräch!

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